Lexikon

Hier finden Sie viele Begriffe rund um das Thema Logopädie

Artikulationsstörungen

Artikulationsstörungen sind Störungen der Aussprache (fachlich auch Dyslalie oder Stammeln genannt). Die wohl bekannteste Form ist das Lispeln, eine falsch angewöhnte Art und Weise den „S“-Laut zu sprechen; meist stößt dabei die Zunge an die Schneidezähne oder kommt sogar zwischen den oberen und unteren Schneidezähnen hervor. Artikulationsstörungen können aber jeden Laut unserer Sprache betreffen („SCH“, „CH“, „K“, „T“ usw.). Es werden dabei verschiedene Formen unterschieden, die sich nach der Art und Weise der Fehlbildung richten. Der entsprechende Laut kann dabei weggelassen, durch einen anderen Laut ersetzt oder anderweitig fehlgebildet werden. Unbehandelt können sich manche dieser Fehlbildungen bis ins Erwachsenenalter manifestieren.

Dysgrammatismus

Störungen im Bereich der Grammatik können im Allgemeinen den Satzbau, also die Wortstellung im Satz und die Bildung von komplexen Sätzen, betreffen. Auch Probleme bei den Fallformen, der Verbbeugung und der Artikelzuweisung können vorkommen. Weiterhin sind Defizite bei der Bildung von Einzahl- und Mehrzahl typisch, und/oder auch die Bildung von verschiedenen Zeitformen.

Im Grunde genommen können sich viele oder auch nur vereinzelte Symptome zeigen, welche, je nach Alter des Kindes, behandlungsbedürftig sein können. Häufig kommen Probleme bei der grammatischen Entwicklung in Verbindung mit Sprachentwicklungsstörungen oder -verzögerungen vor.

Myofunktionelle Störung

Hierbei spricht man von Störungen im Bereich der Bewegung und Koordination von Lippen- und Zungenmuskulatur. Die Zunge eines Neugeborenen füllt den gesamten Mundraum aus und berührt gleichzeitig den Gaumen und den Mundboden. Der Mundraum ist klein und das Bewegungsausmaß der Zunge begrenzt. Durch diese Relationen erhöht sich die Saugkraft des Säuglings. Eine Mundatmung kann nicht erfolgen, stattdessen erfolgt die Atmung über die Nase. Das Neugeborene schluckt und atmet gleichzeitig, der Kehlkopf ist noch sehr hoch eingestellt, der Verschlussmechanismus beim Schlucken zum Schutz der Luftröhre vor Aspirationen ist noch nicht ausreichend entwickelt. Erst mit ca. einem halben Jahr vergrößert sich der Mundinnenraum und verlängert sich in vertikaler Richtung. Die Zunge erhält nun mehr Bewegungsmöglichkeiten, aus der Vor-Zurück-Saugbewegung entwickelt sich nun eine Auf-Ab-Bewegung. Der Mundraum gestaltet sich durch das Zahnwachstum ganz neu, die Zunge erhält eine Abgrenzung zu den Lippen. Die Säuglinge sind im ersten Lebensjahr immer mit ihrem Mund beschäftigt. Zum einen bei der Nahrungsaufnahme, beim Stillen und auch später beim Essen und dem Ertasten von anderen Nahrungskonsistenzen wie Brei und Keksen. Sie erspüren alles mit dem Mund, stecken ihre Füße und Hände in den Mund. Nichts ist vor dem Mund mehr sicher. Sie erfahren die Welt über den Mund und bauen so ihre Wahrnehmung und Muskulatur auf. Der Mund wird nicht nur zur Nahrungsaufnahme erobert, sondern bekommt auch gleich eine sehr kommunikative Funktion. Die Neugeborenen nehmen durch das Schreien, das Stillen und später auch durch das Lallen Kontakt über den Mund zu ihrer Umgebung auf und stellen so den ersten Dialog auch ohne Worte her. Im Laufe der Entwicklung können sich beim kleinen Kind Auffälligkeiten bei den myofunktionellen (mundmotorischen) Fähigkeiten einstellen, diese können folgende sein: Mundatmung, schlappe Mundmuskulatur, abweichende Zungenruhelage und Schluckweise, Artikulationsschwierigkeiten, eventuell durch häufige Infekte (durch Mundatmung) Störungen der auditiven Wahrnehmung und Verarbeitung und prachentwicklungsverzögerungen.

Poltern

Poltern ist, wie auch das Stottern, eine Redeflussstörung. Menschen, die „poltern“ haben , im Gegensatz zum stotternden Menschen, kein oder selten ein Störungsbewusstsein. Hauptsymptom des Polterns ist die überhöhte Sprechgeschwindigkeit, häufig einhergehend mit dem Verschlucken von Lauten, Silben bis hin zu ganzen Worten. Oft werden auch Silben und Worte in solcher Form verkürzt, dass es dem Zuhörer kaum, oder nur mit größter Mühe, gelingt den Gesprächspartner zu verstehen.

Rhinophonie

Rhinophonie (auch Rhinolalie genannt) bezeichnet das umgangssprachliche Näseln. Es wird in zwei Formen unterschieden. Zum einen gibt es das geschlossene Näseln, wobei sich das Sprechen anhört wie bei einem Stockschnupfen. Vokale und nasale Konsonanten und – verbindungen („M“, „N“, „NG“) können dabei nicht mehr korrekt gebildet werden, da die Nasenatmung durch verschiedene Ursachen verlegt ist. Die Ursachen einer verlegten Nasenatmung können funktioneller und/oder organischer Natur sein und sollten vom HNO-Arzt untersucht werden; organische Ursachen werden dabei größtenteils vom HNO-Arzt therapiert, funktionelle Störungen oder Nachbehandlungen können dann durch eine Logopädin oder einen Logopäden erfolgen. Weiterhin gibt es das offene Näseln, was durch einen Verschlussmangel der Nasenatmung gekennzeichnet ist. Der normale Stimmklang ist verändert, verschiedene Laute, besonders die sogenannten Explosiva („K“, „T“, „P“, „G“, „D“, „B“) und ihre Verbindungen können nicht korrekt gebildet werden und hören sich abgeschwächt an. Ursache einer solchen Form von Näseln ist häufig die Fehlfunktion des Gaumensegels, welches den Zugang vom Rachen zur Nase nicht richtig abschließt. Möglicherweise gibt es als Begleiterscheinung auch eine Schluckstörung (s. Dysphagie) wobei Nahrung beim Schlucken auch in die Nase gelangt. Die Ursachen für das offene Näseln sind ebenfalls funktioneller und/oder organischer Natur (beispielsweise nach Entfernung der Nasenrachenmandeln oder Gaumenmandeln; oder nach neurologischen Ereignissen etc.). Auch hierbei erfolgt die genaue Untersuchung durch den Arzt und die Behandlung der funktionellen Anteile dann durch die Logopädin oder den Logopäden.

Stottern

Stottern ist eine Redeflussstörung. Es wird hierbei unterschieden in die sogenannte „tonische“ und/oder „klonische“ Form und/oder in Mischformen. Das bezeichnet die Art des Stotterns. Wörter und/oder Silben können dabei langgezogen und gedehnt werden (Kaaaaaanne) oder auch in stockender Form mehrmals wiederholt (K-K-K-Kanne). Die Art und Weise des Stotterns ist individuell verschieden. Stotterer erfinden im Laufe der Zeit oft vielfältige Möglichkeiten besonders schwierige Worte zu vermeiden oder zu umgehen. Eine solche sprecherische Beeinträchtigung kann zu Sprechangst bis hin zum sozialem Rückzug, sogar zur Isolation, führen.

Schluckstörung

Eine Schluckstörung (oder „Dysphagie“) ist gekennzeichnet von Problemen beim Hinterschlucken verschiedener Nahrungsmittel und Nahrungskonsistenzen bis hin zur völligen Schluckunfähigkeit. Es gibt verschiedene Schluckphasen, nach denen die Dysphagien eingeteilt werden. Bei einer Schluckstörung ist mindestens eine dieser Phasen (präorale, orale, pharyngeale, ösophageale Phase) gestört. Dies äußert sich häufig primär in Hustenanfällen beim oder nach dem Essen, durch gurgelnde Geräusche beim Sprechen und großem Zeitaufwand etc. . Aus einer unbehandelten Schluckstörung können sich folgenschwere Komplikationen ergeben, wie z.B. ein kontinuierlicher Gewichtsverlust, unzureichende Versorgung mit Flüssigkeit, Infekte der oberen Luftwege bis hin zur Lungenentzündung. Ursächlich für Dysphagien sind häufig neurologische Erkrankungen und/ oder muskulärer Abbau im höherem Alter. Die Behandlung dessen erfolgt nach eindeutiger Abklärung möglichst schnell in der Reha und anschließend in der logopädischen Praxis bzw. als Hausbesuch durch den Logopäden im Pflegeheim oder zu Hause.

Sprachentwicklungsverzögerung

Kinder, die eine verzögerte Sprachentwicklung aufweisen, „hinken“ dem normalen Spracherwerb bis zu einem halben Jahr hinterher. Größere Rückstände werden als Sprachentwicklungsstörung bezeichnet.

Bei einer Sprachentwicklungsverzögerung kann es zu grammatischen Defiziten und/oder sprecherischen Defiziten, also Auffälligkeiten in der Artikulation (Dyslalie), kommen. Auch Wortschatzdefizite und Auffälligkeiten im Sprachverstehen können bezeichnend sein. Mit einer frühzeitigen Behandlung können in den meisten Fällen die Kinder schnell auf den richtigen Weg gebracht werden. In diesem Zusammenhang wird häufig von „Late-Bloomern“ und „Late-Talkern“ (lesen Sie bei Sprachentwicklungsstörungen) gesprochen. „Late-Bloomer“, sogenannte „Spätblüher“, werden Kinder genannt, die mit dem Alter von 2 Jahren (24 Monaten) noch keine Zweiwortsätze sprechen und noch einen Wortschatz von weniger als 50 Wörtern aufweisen. Charakteristisch für diese Kinder ist, dass die Defizite innerhalb eines Jahres, also bis zum dritten Lebensjahr, wieder aufgeholt werden können, im Gegensatz zu den „Late-Talkern“.

Sprachentwicklungsstörung

Als Sprachentwicklungsstörung werden Rückstände in der Sprachentwicklung bezeichnet, die sich auf mehr als ein halbes Jahr festsetzen lassen. Dabei gibt es Rückstände unter anderem in der lautsprachlichen Entwicklung (Artikulation), in der Grammatik und auch im Wortschatz. In der Regel sind Kinder mit Sprachentwicklungsstörungen auch in anderen Entwicklungsbereichen auffällig (z.B. motorische, geistige, körperliche, psychosoziale Rückstände/ Störungen und/oder Störungen in anderen Wahrnehmungsbereichen). Ein frühzeitiger Behandlungsbeginn ist wünschenswert, auf Grund der vielen interdisziplinären Komponenten aber nicht immer so einfach durchzusetzen.

„Late-Talker“

Ist ein Kind, bis auf seine Sprachentwicklung, sonst ohne weitere Einschränkungen entwickelt (körperlich, motorisch, geistig etc.), und hat es mit einem Alter von zwei Jahren noch nicht die 50-Wort-Grenze erreicht und kann noch keine Zwei-Wort-Sätze bilden, so spricht man auch von „Late-Talkern“.

Geprägt ist dieses Störungsbild davon, dass die Kinder (im Gegensatz zu den „Late-Bloomern, siehe Sprachentwicklungsverzögerung) die Defizite innerhalb eines Jahres nicht aufholen können. Es ist inzwischen nachgewiesen, dass ein großer Teil der „Late-Talker“ später spezifische Sprachentwicklungsstörungen Aussprachestörungen, Wortschatzprobleme und/oder einen Dysgrammatismus) aufweisen; diese gehen später mit Schwierigkeiten im Schriftspracherwerb (Lesen/Schreiben/Lesesinnverstehen) einher.

Frühzeitige Therapieaufnahme kann diese Entwicklung unter Umständen nicht verhindern, aber das Ausmaß einer Sprachstörung erheblich einschränken.

Wortschatzdefizite

Wenn man von Wortschatzdefiziten spricht, so ist in der Regel der normale Wortschatz gemessen am Alter des Kindes zu gering entwickelt. Beispielsweise sollte ein 2-jähriges Kind einen Wortschatz von ca. 50 Wörten erreicht haben. Hierzu zählen alle Wörter, denen eine Bedeutung zu Grunde liegt, u.a. auch „mama“, „mäh“ (für Schaf), „hüh“ (für pferd), „nein“, „auch“, „hallo“ etc.. Mit entsprechenden Tests kann man den Wortschatz eines Kindes überprüfen; aber auch die Hilfe der Eltern kann hier von großem Nutzen sein, indem die gesprochenen Worte des Kindes einfach notiert werden.